Welche Formen der Personengesellschaft gibt es in Deutschland

Wie schon im letzten Blogbeitrag erwähnt, ist es wichtig, dass Sie sich bei der Gründung eines Unternehmens beraten lassen. Es macht – je nach Branche – einen Unterschied, in welcher unternehmerischen Form Sie auftreten.
Heute möchte ich daher noch auf drei weitere Gesellschaftsformen eingehen, die es gibt und auch auf Abgrenzung und Besonderheiten dieser Gesellschaftsformen.

Die Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR)

Die GbR bewegt sich im Privatrecht und hat daher als Basis das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB). Sie ist geeignet für Zusammenschlüsse von zwei oder mehrere Personen, die ein gemeinschaftliches Interesse verfolgen, wie etwa wirtschaftliche, karitative, religiöse oder ideelle Interessen zu fördern.

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um eine GbR gründen zu können:

  • Der Zusammenschluss besteht aus mindestens zwei natürlichen Personen.
  • Der Zusammenschluss besteht aus einer natürlichen Person und einer juristischen Person.
  • Der Zusammenschluss besteht aus zwei juristischen Personen.

Dies könnten z.B. Kegelclubs sein, die einen Ausflug planen, zwei Vereine, die ein gemeinsames Fest ausrichten oder zwei Privatpersonen, die ein gemeinsames Projekt betreiben. Bei der GbR geht es um die Erreichung eines gemeinsamen Zwecks, nicht primär um Gewinnerwirtschaftung. Zudem ist die GbR NICHT auf den Betrieb eines Handelsgewerbes ausgerichtet!

Die offene Handelsgesellschaft (OHG)

Die Weiterführung zur GbR ist die im Handelsgesetzbuch eingetragene OHG. Im Gegensatz zur GbR muss diese im HGB eingetragen werden und hat eine ganz klare Gewinnerzielungsabsicht.
Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um eine OHG gründen zu können:

  • Der Zusammenschluss besteht aus mindestens zwei natürlichen Personen.
  • Der Zusammenschluss besteht aus einer natürlichen Person und einer juristischen Person.
  • Der Zusammenschluss besteht aus zwei juristischen Personen.

Der große Unterschied zwischen GbR und OHG ist das dispositive Recht, das für die OHG gilt.
Dispositives Recht bedeutet:
in geschlossenen Verträgen können die Inhalte in Absprache selbst festgelegt werden. Sollten keine Vertragsinhalte definiert sein, greift automatisch das Handelsgesetzbuch (HGB).

Was bedeutet das in der Praxis?
Sie machen Gewinn mit Ihrer OHG und haben die Art und Höhe der Ausschüttung nicht vertraglich geregelt? Für Sie gilt § 121 des Haldelsgesetzbuchs.
Hier ist festgelegt, dass jeder Gesellschafter vom Gewinn der OHG vorab einen Betrag von 4% auf seinen Kapitalanteil gutgeschrieben bekommt und der Rest nach Köpfen aufgeteilt wird. Die Gewinnverteilung könnte jedoch auch im Gesellschaftsvertrag der OHG abweichend von der Gesetzesvorgabe geregelt werden.

Sie machen Verlust mit Ihrer OHG? Auch hier gilt, wenn Sie nichts anderweitig im Gesellschaftsvertrag definiert haben, gilt das HGB. Und hier ist festgelegt, dass der Verlust auf alle Gesellschafter aufgeteilt wird. Wenn Sie hier anderweitig verfahren möchten, müssen Sie das explizit vertraglich regeln.

Die Kommanditgesellschaft (KG)

Die KG wird ebenso zwingend im HGB eingetragen und handelt nach den hier vorgegebenen Gesetzen. Bei der KG gibt es einen Kommanditisten. Er ist der Teilhafter und haftet nur mit seiner Einlage.
Der Komplementär ist der Vollhafter. Er haftet als Privatperson nach dem BGB mit seinem gesamten privaten Vermögen.

Bei der Gewinn- und Verlustverteilung erhält der Kommanditist seinen Kapitaleinlageanteil mit 4 % verzinst und der Rest wird in angemessenem Verhältnis verteilt. Hier sind vertraglichen Regelungen normal!

Die KG gilt als die „Eierlegende Wollmilchsau“ des Steuerrechtes.
Dies kommt besonders bei den Gesellschaftsformen der GmbH & Co KG oder der UG & Co KG zum Tragen. Hier wird die Vollhaftung des Komplementärs gegen die Haftungsform der UG oder GmbH ausgetauscht, dadurch wird nur mit dem Gesellschaftsvermögen gehaftet.

Grundsätzlich gilt: gute Beratung ist das A und O bei einer Gründung oder Unternehmensumwandlung. Fragen Sie Ihren Steuerberater und/oder Ihren Gründungsberater. Es ist Ihr Unternehmen und Sie sollten auch langfristig von Ihren Entscheidungen profitieren können!

Übrigens:
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Beste Grüße
Ingo Sierck

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